Warum wir unsere Daten europäischen Lösungen anvertrauen sollten

Autor: Fabio Marti
Veröffentlicht am 19. Juli 2018

Falls US-Ermittler zukünftig auf alle Daten amerikanischer Unternehmen zugreifen können – unabhängig in welchem Land diese gespeichert sind, unabhängig welche Gesetze dort gelten – dann verliert Europa die Souveränität über einen Großteil seiner Geschäftsgeheimnisse.

Noch im Frühjahr glaubte man, ein Prozess Microsofts gegen die US-Behörden könne diesbezüglich die Weichen zugunsten der europäischen Wirtschaft stellen. Für ein Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 2013 verlangte die US-Regierung von Microsoft auch jene Daten herauszugeben, die sich auf Servern in Irland befanden. Microsoft hatte die Herausgabe mit der Begründung verweigert, dass dieser „Befehl“ nicht auf europäischem Boden gelte und zog nach langem Rechtsstreit vor das höchste US-Gericht.

Doch am Ende kam es zu keiner Entscheidung, denn durch die Hintertür wurde schnell der sogenannte CLOUD Act verabschiedet, angehängt an das US-Budgetgesetz. Dieser schaffte eine neue Rechtsgrundlage und räumt den US-Behörden nun diverse Mittel ein, um legal an Daten zu kommen, die US-Unternehmen im Ausland speichern. So sind die Daten aus Irland letztlich doch bei der amerikanischen Behörde gelandet. Microsoft leistet keinen Wiederstand mehr.

Ein Großteil der europäischen Wirtschaft läuft in US-amerikanischen Clouds

E-Mails, vertrauliche Dokumente, Personal- und Kundendaten, Verkaufsprozesse – viele Unternehmen in der EU speichern sensible Daten in Business Clouds von amerikanischen Anbietern. Für die US-Behörden ist es nunmehr keine große Sache, sich aus diesem Pool zu bedienen und die Daten auszuwerten, um womöglich sogar die Position des eigenen Landes im internationalen Wettbewerb zu festigen. Und plötzlich gibt es das einzigartige Getriebe aus der schwäbischen Manufaktur baugleich auch aus Wisconsin. In Zeiten von Handelskriegen und datengetriebener Beeinflussung von Wahlen wäre es naiv, solche Szenarien nicht in der eigenen Risiko-Kalkulation zu berücksichtigen. Deshalb sollte jeder Unternehmer sehr genau überlegen, wo er seine Daten speichert und nicht vorschnell auf die bequemen und allgegenwärtigen Lösungen aus Übersee zurückgreifen.

Die Politik sollte europäische Unternehmen fördern

Neben den Unternehmen ist natürlich auch die europäische Politik gefragt. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ist vor diesem Hintergrund zu begrüßen – auch wenn sie hiesige Unternehmen erst einmal vor Herausforderungen in puncto Umsetzung stellt. Firmen hierzulande werden dadurch häufiger Lösungen aus Europa für ihre Firmen-IT in Erwägung ziehen, einfach weil diese im selben Rechtsraum liegen und so von Haus aus mehr Rechtssicherheit bieten dürften.

Es braucht auf politischer Ebene aber auch mehr Anreize und klare Rahmenbedingungen, um kreative und innovative IT-Lösungen in Europa zu fördern und sich damit aus der Abhängigkeit amerikanischer Konzerne zu befreien.
„Daten sind das neue Öl“, heißt es. Und wir sollten die Hoheit über unsere Daten bewahren, um europäische Unternehmen und den ganzen IT-Standort Europa zu stärken. Am Ende stehen unsere Unabhängigkeit sowie unsere Arbeitsplätze auf dem Spiel.

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